< Baden-Württemberg lobt die Altenpflegeausbildung – und will sie dennoch abschaffen?
04.09.2015

Zusammenlegung der Pflegeberufe verschärft den Pflegenotstand

Pflegeberufegesetz angekündigt – Laut Expertise verschwinden bis zu 52.000 Ausbildungsplätze – Altenpflegeberuf wird de facto abgeschafft


Bundesfamilien- und Gesundheitsministerium wollen in Kürze ein Gesetz zur Reform der Pflegeberufe vorlegen. Die bisher getrennten Berufsbilder Krankenpflege, Kinderkrankenpflege und Altenpflege sollen zusammengelegt werden. „Das bedeutet de facto die Abschaffung des Altenpflegeberufs“, sagt Bernd Meurer, Präsident des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste e. V. (bpa). „Und das trotz der inzwischen hohen Ausbildungszahlen im Beruf Altenpflege, wie aktuell die Bundesagentur für Arbeit mit den mehr als sechs Prozent gesteigerten Ausbildungszahlen belegt.“

Neuesten Berechnungen der Hans-Weinberger-Akademie zufolge gehen durch das geplante Pflegeberufegesetz bis zu 52.000 Ausbildungsplätze pro Jahrgang verloren. „Deutlich weniger Fachkräfte bei einer Verdoppelung der Pflegebedürftigen bis 2050 – das ist vollständig inakzeptabel“, so der bpa-Präsident. „Die Altenpflege ist bereits heute ein anerkannter Mangelberuf, es fehlen aktuell ca. 50.000 Fachkräfte. Ein haltloser Zustand“, sagt Meurer. „Wer an den Plänen festhält, setzt die Versorgung der zukünftigen pflegebedürftigen Menschen aufs Spiel.“

Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen hat aktuell im Kontext der Planungen der Bundesregierung zum Pflegeberufegesetz eine Anfrage im Bundestag gestellt. Dort wird auf die Expertise der Hans-Weinberger-Akademie verwiesen. „Das geplante Pflegeberufegesetz wird den Fachkräftemangel in der Pflege noch verschärfen“, ist sich Meurer sicher. „Die Befürworter der Generalistik behaupten eine steigende Attraktivität des Berufes aufgrund der Breite der Ausbildung, die Zahlen belegen das Gegenteil.“

Meurer führt aus: „Der Grund für die Einführung des Altenpflegeberufes war es, zusätzlich zur Akutpflege in den Krankenhäusern Experten für die Langzeitpflege, die Pflege alter Menschen zu bekommen. Jetzt wird behauptet, alle sollen alles können und drei Jahre Ausbildung sollen dafür ausreichen. Zudem steht die Halbierung der Praxiseinsätze im Raum. Das geplante Pflegeberufegesetz gefährdet ohne Not ein bis heute bewährtes System mit einer immer beliebter werdenden Altenpflegeausbildung. Denn eine Zusammenlegung der drei Pflegeberufe wie auch eine mögliche Spezialisierung erst nach Ausbildungsende gingen einseitig zu Lasten der Fachkräfte und Betriebe der Altenpflege – und damit letztlich zu Lasten der pflegebedürftigen alten Menschen“, so der bpa-Präsident.