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25.04.2013

Pflegefachkräfte: Beruf mit Zukunft sucht Bewerber

Pflegeeinrichtungen in Mecklenburg-Vorpommern suchen dringend Pflegekräfte


Laut Schätzungen des Bundesverbandes privater Anbieter sozialer Dienste e.V. (bpa) in M-V fehlen im Nordosten aktuell rund 300 Pflegefachkräfte. Der bpa sichert seine aktive Unterstützung zur Sicherstellung der Versorgung und bei der Gewinnung von Pflegefachkräften zu und fordert: mehr umschulen, ausbilden und ausländische Pflegefachkräfte gewinnen, um dem Fachkräftemangel in der Pflege in M-V zu begegnen.

Ferdinand Hartmann warnt vor Versorgungsengpässen in Mecklenburg-Vorpommern. Der 64-Jährige weiß, wovon er spricht. Der Geschäftsführer des Pflegeheims „Haus am Bibowsee“ spürt täglich, was Fachkräftemangel bedeutet. „Wenn wir eine Stelle neu besetzen müssen und Ersatz suchen, erleben wir es. Es ist fast ausgeschlossen, Fachkräfte am Arbeitsmarkt in der Region, aber auch weit darüber hinaus zu gewinnen.“ Daher schult sein Haus schon seit einigen Jahren selbst Pflegekräfte zu Altenpflegern um. Geeignete Interessenten können den Beruf des Altenpflegers berufsbegleitend in drei Jahre erlernen. Dafür werden sie zwei Tage in der Woche freigestellt, um die Schule zu besuchen. Das sind Quereinsteiger im Alter von 30 bis 45 Jahren. Frauen, die vorher als Verkäuferin oder Friseurin gearbeitet haben und auch Männer, die zuvor als Handwerker oder Büroangestellte tätig waren und jetzt in diesem zukunftsträchtigen Beruf wohnortnah umgeschult werden. Zehn Fachkräfte hat er so bereits ausgebildet, sieben sind derzeit in Ausbildung, erzählt der Geschäftsführer, der 106 Mitarbeiter beschäftigt.

Einerseits fehlen die Fachkräfte und andererseits steigt gleichzeitig die Zahl an pflegebedürftigen Menschen und bietet damit eine sichere Berufsperspektive und eine interessante Tätigkeit mit Menschen. „Für die Gewinnung von Auszubildenden wird bereits viel getan“, so Michael Händel, Vorsitzender der bpa Landesgruppe Mecklenburg-Vorpommern, und verweist auch auf die neue Kampagne, mit der der Verband gezielt junge Menschen, die sich für den Pflegeberuf interessieren, anspricht. Auf der Website www.youngpropflege.de, die sich speziell an junge Menschen richtet und diese für eine Ausbildung in der Altenpflege gewinnen will, finden sich alle wichtigen Informationen und Kontaktdaten sowie ein Film, in dem Altenpflegeauszubildende selbst zu Wort kommen.

„Teils wird behauptet, die Verdienstmöglichkeiten in der Altenpflege seien bescheiden“, bedauert Ferdinand Hartmann. „Das stimmt aber nicht!“ Eine Altenpflegerin verdient mehr als ein Mechatroniker. Und ein Altenpflegeschüler erhält im dritten Lehrjahr über 800 Euro. Ein weiterer Lösungsansatz gegen den Fachkräftemangel muss die Unterstützung durch qualifizierte ausländische Pflegefachkräfte sein. Hartmann möchte insbesondere Fachkräfte aus dem europäischen Ausland gewinnen. In Ländern mit Jugendarbeitslosigkeit von über 50% soll gezielt auf Suche gegangen werden. Mit ausländischen Fachkräften können freie Stellen besetzt und der wertvolle Mitarbeiterstamm wirksam entlastet werden. Den jungen Bewerbern aus dem Ausland wird gleichzeitig eine Perspektive geboten.

Michael Händel richtet einen Appell an die Landesregierung, bei der Anerkennung der Berufsabschlüsse keine Hürden aufzubauen: „Bundesländer wie Hessen gehen hier bereits mit gutem Beispiel voran. Mecklenburg-Vorpommern sollte hier ebenfalls für eine zügige Anerkennung der ausländischen Abschlüsse sorgen und auf unnötig hohe Sprachauflagen, die in vielen Ländern zum Germanistikstudium qualifizieren, verzichten.“