< Ausbildungstrend in der Pflege gefährdet
01.02.2017

Die Profis halten nichts von der „Generalistik“

Aktuelle Forschungslage: Keiner will die „Generalistik“


In den letzten Tagen wurden eine Studie und eine Umfrage bekannt, die sich, wie in Kürze wohl auch der Koalitionsausschuss, mit dem Thema „Zusammenlegung der Pflegeausbildungen und Abschaffung der Alten- und Kinderkrankenpflege“ befassen. Beide kommen zu deutlich kritischen Einschätzungen.

So wurden im Rahmen der Studie „Landesberichterstattung Gesundheitsberufe NRW 2015“ des Deutschen Instituts für angewandte Pflegeforschung e.V. (DIP) auch insgesamt 125 Krankenhäuser, 743 ambulante Pflegedienste, 632 teil-/vollstationäre Pflegeeinrichtungen sowie 196 Bildungseinrichtungen aus NRW zu ihrer Einschätzung einer generalistischen Pflegeausbildung befragt. Dabei wurde deutlich, Krankenhäuser erwarten keine Steigerung der Attraktivität des Pflegeberufes. Im Gegenteil. Sie erwarten bei der Organisation der geplanten Ausbildung erheblichen Mehraufwand. Zudem wird deutlich, dass die  Absolventen mit dem neuen Beruf ihn erst nach deutlich mehr Einarbeitung im Krankenhaus ausüben können. 

Deutlich kritischer sehen dies laut DIP-Studie ambulante Dienste und teil- bzw. vollstationäre Einrichtungen in NRW. Sie erwarten tendenziell eine Verringerung der Kompetenzen und eine noch deutlichere Steigerung des organisatorischen Aufwandes für die Gestaltung der Ausbildung sowie bei der Einarbeitung neuer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Insgesamt rechnen sie eher mit einem sinkenden Interesse an einer eigenen Ausbildung und sehen den Fachkräfteengpass für ihren Arbeitsbereich eindeutig gesteigert.

Im Januar 2017 fragte das Deutsche Krankenhausinstitut e.V. (DKI) auf seiner Internetseite: „Soll die Entscheidung für oder gegen eine generalistische Pflegeausbildung auf die nächste Legislaturperiode verschoben werden?“ Dabei sprach sich eine deutliche Mehrheit von 74 Prozent dafür aus, dass die Entscheidung für oder gegen eine generalistische Pflegeausbildung auf die nächste Legislaturperiode verschoben werden soll.

Dazu bpa-Geschäftsführer Bernd Tews: „Beide Umfragen machen deutlich, dass die Profis in der Krankenpflege und in der Altenpflege nichts von der Generalistik erwarten und schon gar nicht wollen, dass sie übers Knie gebrochen wird. Zumal noch nicht einmal die dem Parlament versprochenen Ausbildungsinhalte vorliegen. Von einer Steigerung der Attraktivität spricht niemand. Das sind nicht die ersten beiden Umfragen, die deutlich machen, dass diejenigen, die die Generalistik vor Ort umsetzen müssen, nichts von ihr halten oder erwarten. Das alles sollte der Gesetzgeber endlich ernstnehmen und den vorliegenden Gesetzesentwurf ad acta legen.“

Die DIP-Studie finden Sie hier.

Die DKI-Umfrage befindet sich hier.