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30.08.2013

Ausbildungsjahr 2013: Pflegenotstand bleibt

Allein in Thüringen fehlen Hunderte von Fachkräften


Wenige Tage vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres am 2. September konnten die ambulanten und stationären Pflegeeinrichtungen im Bundesverband privater Anbieter sozialer Dienste (bpa) Thüringen die Zahl der Plätze auf rund 140 steigern. Das sind 30 Prozent mehr als im Vorjahr. Weitere offene Stellen konnten nicht besetzt werden; zudem fehlen Hunderte von Fachkräften. Auch bei der Finanzierung der Pflege, dem Abbau der Bürokratie und dem Image des Pflegeberufs sieht der bpa Nachholbedarf.

Die Zahl der Pflegebedürftigen steigt bis 2030 um eine Million auf rund 3,4 Millionen. Die Landesvorsitzende des bpa Thüringen, Margit Benkenstein, fordert mehr Willen zum Erfolg: „Es fehlt nicht an Bündnissen, Gipfeln und Absichtserklärungen. Das Tempo muss erhöht werden. Aktuell fehlen bundesweit Zehntausende Pflegefachkräfte. Zu viele Ansätze versanden in den Mühlen der Bürokratie.“

Als Bremsklötze nennt Benkenstein ungleiche Anforderungen in den Ländern an das Sprachniveau ausländischer Fachkräfte, die unterschiedliche Praxis der Anerkennung von Abschlüssen oder die schleppende Bearbeitung von Umschulungsanträgen in Thüringen. Jüngstes Beispiel sei die verkürzte Umschulung von erfahrenen Altenpflegehelfern zu Pflegefachkräften: „Das zuständige Landesverwaltungsamt in Weimar schaffte es nicht rechtzeitig, die Voraussetzungen Einzelner zu prüfen, so dass diese Personen für das Ausbildungsjahr verloren sind.“

Die angestoßenen Reformen der Bundesregierung – das Pflegeneuausrichtungsgesetz, die Beitragserhöhung um 0,1 Prozent oder private Zusatzversicherungen – bezeichnete Benkenstein nur im Ansatz als richtig. Die nächste Bundesregierung käme nicht darum herum, die Beiträge zur Pflegeversicherung stärker zu erhöhen.

Im Fall von Ostdeutschland forderte sie die Thüringer Spitzenpolitiker auf, sich dafür einzusetzen, dass die Pflegekassen die Pflegesätze an die im Westen anpassen. „Wenn die Sätze für dieselben Leistungen beispielsweise in Thüringen bis zu 30 Prozent unter denen in Hessen liegen, muss sich keiner über Abwanderung wundern. Auch ausländische Fachkräfte haben dann kein Interesse, sich hier niederzulassen.“